Rowohlt 2013. 464 pp. Kartonband mit Umschlag. Guter
Zustand.
Aus dem Ungarischen von Kristin Schwamm. m Gegensatz zu seinem
berühmten «Galeerentagebuch», das eine Komposition aus den
jahrzehntelangen Aufzeichnungen während der inneren Emigration im
sozialistischen Ungarn darstellt, handelt es sich bei den hier
vorgelegten späten Tagebüchern von Imre Kertész um ein unbearbeitetes,
ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachtes «journal intime» von
überraschender, oft verstörender Offenheit. Es umfaßt die Jahre seiner
äußeren Emigration - die Loslösung von Ungarn, dessen postsozialistische
Entwicklung ihn immer stärker an präfaschistische Zeiten erinnert, und
die Niederlassung in der Wahlheimat Berlin, wo ihn 2002 die
«Glückskatastrophe» des Nobelpreises ereilt. Von der gewohnten Schärfe
seiner zeitdiagnostischen und ästhetischen Reflexionen, der Prägnanz der
Momentaufnahmen haben seine Tagebücher indes nichts verloren. Leitmotiv
bleibt das Schreiben, das Ringen um die Gestaltung der in diesen Jahren
entstehenden Prosawerke «Liquidation» und «Dossier K.» sowie des
geplanten «Sonderberg»-Romans. Schreiben ist für ihn die einzige
Legitimation seines Lebens. Als Krankheit und Schmerzen dominieren,
macht er sich mit unerhörter Kühnheit zum gnadenlosen Chronisten des
eigenen Verfalls «im Vorzimmer des Todes».